Weihnachtsgefühle?

Nach doch recht langer Zeit melde ich mich hiermit, vom anderen Ende der Welt. Hier hat es die letzten Monate fast täglich heftig geregnet. In meiner Stadt fällt jedes Mal der Strom aus, sobald es zu regnen anfängt. Inzwischen habe ich mich schon daran gewöhnt, denn der Stromausfall macht natürlich auch vor einem Supermarkt oder der Schule nicht halt. Im Supermarkt wird dann an der Kasse einfach der Taschenrechner ausgepackt, in der Schule werden die Fenster – wegen der Sonneneinstrahlung mit dunkler Folie abgeklebt – geöffnet, und schon haben wir wieder Licht. 

Nur einen Nachteil hat das ganze: Ohne Strom funktionieren leider auch keine Klimaanlagen. Hier wird es mittags schon mal 30 Grad Celsius warm, in plus versteht sich. Dann setzt der Regen ein, und hört erst wieder mitten in der Nacht auf. Da mein Bairro (Stadtviertel) noch recht neu ist (wurde erst Anfang 2008 eingeweiht), gibt es hier zwar massig Platz für die Häuser, aber leider auch noch keine geteerten Strassen. Wenn es regnet, bilden sich zuerst Schlammstrassen, dann ein einziger, großer See. Da bleiben dann auch schon mal Autos stecken.  

Inzwischen habe ich Sommerferien, von Ende November bis Anfang Februar. Im Februar ist jedoch Karneval, da geht niemand in die Schule, nicht einmal die Lehrer. Ich bin auf meiner Schule immer noch der Star, jeder will mit mir befreundet sein. Inzwischen habe ich mich mit ein paar anderen Austauschschülern unterhalten, und wir haben alle das gleiche festgestellt: Man muss aufpassen, ob die Menschen mit „dem Deutschen“ befreundet sein wollen, um dich ihren Freunden vorstellen zu können, nach dem Motto: „Schaut mal, ich kenne einen richtigen Deutschen“. Oder ob sie mit dir als Person befreundet sein wollen. Leider überwiegt manchmal die erste Variante, inzwischen kenne ich aber genug Personen, die selbst (und auch deren Freunde) mit mir als Person befreundet sein wollen.  

Vom 16. bis 21. Dezember 2008 werde ich mit AFS nach Foz de Iguaçu fahren, zu den größten Wasserfällen der Welt. Natürlich berichte ich dann hier von meiner Reise.  

Ja, und nach der Reise ist bald Weihnachten. Allerdings bin ich im Moment gar nicht in Weihnachtsstimmung. Liegt das vielleicht daran, dass hier einfach „nur“ der Schnee fehlt und das Thermometer ein paar Grad zu warm anzeigt? Hier sind alle Häuser mit Lichterketten bis unter das Dach vollgehängt, jedes Geschäft wirbt mit „Weihnachts-Extra-Super-Sonder-Mega-Angeboten“, die Brasilianer sind also ziemlich verrückt nach Weihnachten. Nur der Papai Noel (Weihnachtsmann) sieht in seiner Vollmontur etwas verloren aus, wenn 35 Grad Celsius an Weihnachten erwartet werden.

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